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Dualseelen | Wie verliebt sein, blind für toxische Beziehungen machen kann

Wer verliebt ist, verschliesst schnell die Augen vor einem toxischen Verhalten. Ganz besonders, wenn es sich um die Dualseele handelt.

Gerade Frauen nehmen Konzepte, die sich zum Beispiel Dualseelenprozess, Dualseelen-Phase oder Aufstiege nennen, oftmals ziemlich ernst. Sie verbringen Stunden im Internet oder lesen Bücher über Seelenpartnerschaften und klammern sich mit ihren unerfüllten Sehnsüchten oder irgendwann auch aus purer Verzweiflung daran fest. Dabei nehmen sie das oft total respektlose, abwertende bis hin zutiefst narzisstisch geprägtes Verhalten, eines ihnen meist wildfremden Mannes, monate- oder jahrelang einfach hin oder in Kauf und leiden dabei unsäglich. Gemäss Konzept ist das dann halt so und der Fehler darf erstmal hauptsächlich bei sich selbst gesucht werden, damit der vermeintliche DS-Partner sich in die richtige Richtung, ihre Richtung natürlich, entwickeln kann.


Da ich das selbst durchlebt und überlebt habe, weiss ich wie schnell man
sich in seinen Vorstellungen und Traumbildern verfangen kann und sich statt in einer freudvollen, erfüllten Seelenpartnerschaft, in einer toxischen, narzisstisch angehauchten Verbindung wieder findet. Denn beide DS-Partner sind in vielen Fällen bei ihrem Aufeinandertreffen noch zwei schwerverletzte, emotionale Kleinkinder und sehr oft auch total beziehungsunfähig. Gerade in den superkomplizierten Begegnungen ist er nicht selten, der super-grandiose oder verdeckte Narzisst oder auch Borderliner und sie die perfekte Ergänzung als bedürftige Co-Abhängige (JA, es kann auch genau umgekehrt sein) und dann nimmt das Drama seinen Lauf.


Wie schnell verliert man den wirklich klaren Blick auf sich selbst, sein eigenes Herz und sein Leben, wenn man mit seinen Augen, all seinen Gedanken und Gefühlen nur noch um das vermeintlich «perfekte» Gegenstück kreist? Wie leicht übersieht man in den Momenten seiner blinden Verliebtheit, das grosse, Leid das man in sich selbst und seinem Umfeld verursacht. Wie schnell idealisiert man einen Menschen, den man kaum kennt, zu etwas, was er beim besten Willen, durch seine Taten gezeichnet einfach nicht ist?

Wie schnell findet man sich in manipulativen und abwertenden Gaslighting-Spielchen? Tief verletzt, seiner menschlichen Würde beraubt in immer wiederkehrenden Ghostingphasen, in denen der vermeintliche Seelenpartner plötzlich kommentar- und spurlos verschwindet und einfach wieder auftaucht, wann, wo und wie es ihm gerade in den Kram passt. Einfach um eben mal schnell die Lage abzuchecken und damit die Leidensfähigkeit der Frau erneut hart auf die Probe stellt. Wie schnell schnappt man dann nach jedem noch so kleinen Brosamen an Aufmerksamkeit oder falsch verstandener «Liebe», welche von seiner Seite geworfen werden, nur um das Gegenüber dann wieder again and again and again, wie eine heisse Kartoffel fallen zu lassen?

Kein Song könnte den Schmerz einer solch toxischen DS-Begegnung besser ausdrücken wie "Again" von der Band Archive. Achtung Trigger!

Und wie schnell findet man sich durch eine Andere oder "Jüngere" ersetzt, wenn man ihm mit seiner eigenen aufdringlichen Bedürftigkeit einfach zu sehr auf die Pelle rückt? Denn ja, auch du als zurückgelassene DS kannst ihn/sie mit solchen Aktionen ganz einfach nur in den allergröbsten Wahnsinn treiben. Da muss ich jetzt auch mal eine klitzekleine Lanze für den Flüchtenden brechen! ;-)

Darum betrachte ich für mich solche Begegnungen heute eher nüchtern. Auch bei Beratungen nehme ich kein Blatt mehr vor den Mund. Denn nach unzähligen Klientengesprächen in den vergangenen Jahren, bin ich heute überzeugt, dass es sich leider bei etlichen Fällen von Dualseelenbegegnungen nur um einseitiges Wunschdenken unerfüllter Sehnsüchte handelt oder dass der vermeintliche Seelenpartner eine gekonnte Inszenierung eines persönlichkeitsgestörten Menschen ist.


Sei ehrlich zu dir, selbst wenn es weh tut:

  • Welche Grenzüberschreitungen seitens deiner DS tolerierst du immer wieder?
  • Wo in eurer Verbindung übertrittst du immer wieder deine eigenen oder auch seine Grenzen?
  • Wie viele ON-OFFs habt ihr schon hinter euch, ohne dass sich jemals etwas geändert hätte?
  • Überträgt dir dein Seelenpartner die volle Verantwortung für sein gehen?
  • Du bist immer die/derjenige die/der nicht in Ordnung ist?
  • Leidest du nach der ersten Trennung unter psychosomatischen Stresssymptomen wie Schlafstörungen, Nackenschmerzen, Kopfweh, Verdauungsprobleme oder sonstige Störungen?
  • Bis zu welchem Punkt bist du noch bereit diese Neverending-Story mitzumachen?
  • Kannst du dir vorstellen auch ohne ihn glücklich zu werden und dein eigenes Leben zu leben?

 

Ich wünsche dir, dass auch du dein Lachen wieder findest und deinen Lebensweg wieder leicht und erfüllt von Liebe und Wertschätzung begleitet gehen kannst.

 

 

 

 ©sabineamrhein.ch

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