Wann die Not am größten, ist die Hilf' am nächsten!

 

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 31. Mai 1870
nachzulesen in der Schriftensammlung "Lebensgarten"

 

Dein Freund bittet dich um einige Trostworte für seine Schwester, und da es nur die Bruderliebe ist, welche ihn dazu drängt, so will Ich ihm Einiges teils ins Gedächtniszurückrufen, teils Anderes hinzugeben.

 

Mein lieber Sohn, du erinnerst dich wohl noch des Abends der Liebesmahlfeier, wo deine Schwester so bewegt euren Kreis verließ und der Gefühle von hoher Liebe und Dankesfreude gegen Mich kaum Meister werden konnte; aber dort fasste sie auch in ihrem Herzen den Vorsatz, Mir allein nur anzugehören, und Mich nie zu verlassen.

Ich wusste wohl, wie weit die Vorsätze und wie weit die Ausführung derselben geht; Ich wollte es ihr faktisch zeigen, welch' großer Unterschied dazwischen ist; Ich fühlte ihr auf den Zahn – wie ihr saget –, und du siehst, wie wankend sie jetzt dasteht, gleichsam an Meiner Hilfe verzweifelnd. Ich lasse ihr nun sagen, sie solle nicht verzweifeln; Ich lade Niemanden mehr auf, als er ertragen kann, sie hat viel mit weltlichem Unglück zu kämpfen, und wenn du es wissen willst, warum lasse Ich solches denn zu?

 

Was sagte Ich in Meinem vorigen Worte für sie? – Wenn sie dir schreiben wird: ich habe Alles getan, Alles versucht, was in Meinen Kräften stand, und doch Alles langte nicht aus, und ich bin am Ende wieder da angekommen, von wo ich anfing, d.h. bei Ihm, dem liebevollen heiligen Vater, da ist allein Trost und Hilfe zu suchen! Siehe, jetzt ist sie dort, wo Ich sie haben wollte; und „wenn die Not am größten – so ist die Hilfe auch am nächsten“, sagt eines eurer Sprichwörter. Sei überzeugt: Ich will hinter dem Sprichwort, das ihr Menschen erfunden habt, nicht zurückbleiben.

 

Der Umstand, dass ihr Sohn erkrankt zu ihr ins elterliche Haus zurückgekehrt ist, und ihre Sorgen wegen der beschränkten Mittel noch vermehrt hat, ist freilich ein harter Schlag für sie, so wie ihr Menschen es beurteilet; was aber Ich damit bezwecken will, das – von Meinem Standpunktaus angesehen – sieht anders aus. Wenn Ich Jemand – besonders eine Mutter – so recht nahe an Mich ziehen will, wie glaubst du denn, dass Ich das anstelle?

 

Siehe, Ich schicke nicht ihr, sondern einem ihrer Kinder ein Leid, und sieh', die Mutter, die vielleicht mit kalter Resignation ihr eigenes Leiden ertragen hätte, zittert beim leisesten erhöhten Pulsschlag Eines ihrer Kinder! Bei ihrem eigenen Leiden hätte sie vielleicht eher den Arzt als Mich zuerst gefragt, bei dem kranken Kinde aber ist ihr erster Blick und Gedanke zu Mir gewendet, und wenn gleich unwillkürlich, so ist es doch die Mutterliebe, einer der wichtigsten Triebe, eine Liebeart, die sie zu Mir führt; und glaubst du denn, Ich lasse ihr tränenvolles Auge umsonst sich gen Himmel richten?

 

Nein, Ich erhöre sie, jedoch nach Meinem Erachten, freilich oft nicht so geschwind, wie sie es möchte, oft auch gar nicht, wo aber eben andere wichtige Gründe Mich dazu bestimmen. – Was also die Schwester in G. betrifft, so bleibe dein Freund nur ruhig, auch sie wird den Kelch des Leidens leeren müssen, habe Ich es ja auch getan; und doch wird der Zeitpunktkommen, wo sie Mein Tun und Wirken segnen wird. Ich will eben ihr Vertrauen zu Mir noch mehr befestigen, damit sie nicht mehr so leicht wanken kann und sie solle unbesorgt sein, wenn sie vollends überzeugt sein wird, dass sie sich selbst nicht mehr helfen kann; auf wen solle sie denn dann mehr Hoffnung haben können, als auf Mich!

 

Also Vertrauen! und wieder Vertrauen! Wenn alle Herzen und Hilfsquellen der Welt sich schließen, so wird Mein Vaterherz und Meine Liebe stets Jedem offen stehen, der an Mich sich wendet. Sie soll also nicht verzagen, sie sorgt für ihre Kinder, sie möge überzeugt sein, auch Ich sorge für dieselben, und auch für sie selbst. Nur Beharrung führt zum Ziele, und wenn erst die Welt ganz für sie verschlossen sich zeigt, dann kann sie überzeugt sein, dass ihr der heilige Vater am nächsten ist.

 

Amen


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Christl. Befreiungsdienst und Seelsorge

Mitglied des Therapeutennetzwerks der SWISS IANDS, der schweizerischen Vereinigung für Nahtoderfahrungen